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...und HAAR und HAAR und HAAR und...

Interdisziplinäres Performance-Projekt von Angie Hiesl und Roland Kaiser
Haare üben seit jeher eine besondere Faszination aus. Sie gelten als Ausdruck der Persönlichkeit, als Sitz der Seele: Wenn sich etwa im 19. Jahrhundert im Rheinland ein Mann und eine Frau verlobten, begann die Frau aus ihren Bürsten und Kämmen die Haare zu sammeln. Dann flocht sie daraus einen Armreif für den Verlobten zum Zeichen der Bindung. In manchen Heimatmuseen liegen diese Reife noch: Symbol und körperliche Hinterlassenschaft einer längst erloschenen Verbindung zweier Menschen. Haare gelten auch als Sinnbild von sexueller Potenz, von Macht und Vitalität. So wurden und werden Gefangene und Verurteilte oft kahl geschoren, um sie symbolisch ihrer Individualität zu berauben.  

Haar ist immer auch ein Wirtschaftsgut. Das gilt heute besonders für Länder, wo Armut herrscht. Dort ist das Haar oft der letzte Besitz von Wert und ein begehrtes Handelsgut. Viele Frauen opfern ihr Haar aus religiösen Gründen – auch diese Haare gelangen meist in den weltweiten Handel. Das Material für Echthaarperücken kommt in der Regel aus den ärmeren Ländern Asiens; es wird gebleicht und umgefärbt. Haar ist Objekt und Produkt einer weltweiten Industrie.

… und HAAR und HAAR und HAAR und … ist an zwei besonderen Orten entstanden: Der Museumshalle in Köln Kalk, einer alten Produktionshalle des Industrieunternehmens KHD, und einer leer stehenden Villa, früher die Krankenstation von KHD. Das Projekt arbeitet mit den gegensätzlichen Atmosphären beider Orte: zwischen öffentlich und privat, entblößt und verborgen, robust und zerbrechlich. Im Zusammenspiel von Aktions- und Raum-Installationen entsteht eine surreale Bild-, Wort- und Klangwelt, in der jeder Zuschauer seinen eigenen Standpunkt finden kann und muss.

Text: Lothar Kittstein

Uraufführung 2006 - Köln, Villa Kalk und Museumshalle Kalk

Eine Produktion des Schauspiel Köln in Zusammenarbeit mit Angie Hiesl Produktion.


Unser besonderer Dank gilt:
Marc Günther (Intendant Schauspiel Köln), allen Abteilungen des Hauses, den Performerinnen und Performern, Konrad Knieling und allen am Projekt Beteiligten, ohne deren Hilfe ...und HAAR und HAAR und HAAR und... nicht hätte realisiert werden können.






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